Auf der indonesischen Insel Nias, in einem kleinen Dorf nahe dem Dschungel, wuchs Firwan auf – blind, ohne jede Förderung. Was für andere Kinder selbstverständlich ist, blieb ihm lange verwehrt: Seine Nachbarn rieten ihm, sich nicht auf den Füßen zu bewegen, sondern nur robbend auf dem Hintern. Aus Angst, aus Unwissenheit – so verbrachte Firwan seine ersten Lebensjahre, ohne sich wirklich frei zu bewegen, wie es Kinder eigentlich tun.
Erst in Oni Pedistra änderte sich das. Dort, in einer Umgebung, die ihn ernst nimmt und fördert, macht Firwan große Schritte – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Er lernt, sich zu bewegen, und umherzuspringen. Und die Lehrerinnen haben noch etwas entdeckt: ein musikalisches Talent, das in ihm schlummerte.
Seit einem halben Jahr erhält Firwan nun Geigenunterricht. Die Geige selbst hat eine eigene Geschichte: Die HBM brachte sie vor einem Jahr bei einem Besuch aus Deutschland mit. Sie ist dabei nur eines von mehreren Instrumenten, die Firwan inzwischen spielt – Cajon, Keyboard, Gitarre und ein einheimisches Saiteninstrument namens Keroncong, eine kleine, ukulelenähnliche Laute mit weichem, nostalgischem Klang, gehören ebenfalls dazu.
Was aus der Ferne wie eine kleine Randnotiz klingt, ist für Firwan ein Neuanfang: Ein Junge, dem man einst riet, sich nicht richtig zu bewegen, findet heute über die Musik seinen eigenen Weg.
Firwans Geschichte ist kein Einzelfall. Sie steht für das Schicksal vieler blinder und sehbehinderter Kinder in Südostasien: Ohne frühe Förderung drohen ihnen Isolation, Ausgrenzung und ein Leben am Rand der Gesellschaft. Was diesen Kindern fehlt, ist nicht Talent oder Wille – es fehlt der Zugang zu Bildung, zu geschultem Personal, zu einer Umgebung, die ihre Fähigkeiten erkennt und fördert.
Genau hier setzt die Arbeit der Hildesheimer Blindenmission an. Wir unterstützen blinde und sehbehinderte Kinder wie Firwan in Blindenschulen und Ausbildungszentren in Indonesien, Myanmar und den Philippinen: mit Lehrmaterial, mit der Ausbildung von Fachkräften, mit Instrumenten wie der Geige, die Firwan heute spielt, und mit langfristigen Partnerschaften vor Ort. Damit noch mehr Kinder wie Firwan ihren eigenen Weg finden können – sei es durch Musik, durch Schulbildung oder durch berufliche Ausbildung.
Diese Arbeit lebt von Spenden. Mit 25 Euro ermöglichen Sie zum Beispiel einen Monat Musikunterricht wie für Firwan. Mit 100 € ermöglichen Sie den Unterricht, die Verpflegung und Unterbringung eines Kindes in einem Monat. 500 € ermöglichen die Beschaffung von 5 Blindenstöcken oder einem Keyboard. Jeder Beitrag hilft, blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen in Südostasien den Zugang zu Förderung zu ermöglichen, den sie sonst nicht hätten.