Die Situation von blinden Kindern in Südostasien ist oft von Benachteiligung geprägt. Wir setzten uns mit unseren Partnern dafür ein, die Kinder auf ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben vorzubereiten. Die Hilfe zur Selbsthilfe ist von Anfang an auf Nachhaltigkeit angelegt. Sie umfasst mehrere wichtige Aspekte:
Förderung der Selbstständigkeit
Blinde und sehbehinderte Kinder werden ermutigt und befähigt, alltägliche Aufgaben selbständig zu bewältigen. Dies umfasst
- Erlernen von Orientierungs- und Mobilitätstechniken
- Einüben lebenspraktischer Fertigkeiten wie Ankleiden, Essenszubereitung etc.
- Umgang mit speziellen Hilfsmitteln wie Braillezeile oder Screenreader
So lernen die Schülerinnen und Schüler der Blindenschule YPAB in Surabaya von Beginn der 1. Klasse an, mit dem Blindenstock zu laufen. Dieses üben sie mit einem speziell geschulten Lehrer jeden Tag. Das sichert ihnen die Fähigkeit, sich selbstständig zu bewegen.
Stärkung des Selbstvertrauens
Ein positives Selbstbild und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten von oft verunsicherten blinden Kindern und Jugendlichen fördert ihre Selbstständigkeit. Das hilft dabei:
- Förderung von musikalischen, sportlichen und anderen Fähigkeiten
- Begegnung mit blinden Menschen, die ihren beruflichen Weg errfolgreich gegangen sind
- Gemeinsame Freizeitangebote mit anderen Kindern und Jugendlichen
In den HBM Partner-Blindenschulen bieten so z.B. Sportarten die Möglichkeit zu Begegnung mit anderen Kindern und Jugendlichen. In der Blindenschule Bawa Thit in Myanmar trainiert man für die Sportart Torball. Die blinden Sportler sind regelmäßig Teilnehmer bei den Paralympics. Auch die musikalische Ausbildung führt zu gesellschaftlicher Teilhabe. Der Chor der Blindenschule YAPENTRA gewann im Jahr 2023 einen internationalen Chorwettbewerb in Indonesien.
Motivation Monday: Ein Mutmach-Tag für blinde Kinder in Bawa Thit
Montagmorgens in der Blindenschule Bawa Thit in Myanmar herrscht eine besondere Atmosphäre. Hier beginnt die Woche mit dem Motivation Monday – einem Tag, an dem die blinden Schülerinnen und Schüler nicht nur Gemeinschaft, sondern auch Ermutigung erfahren. Ihr Alltag ist geprägt von Unsicherheiten, oft von Ausgrenzung und gesellschaftlichen Hürden, die unüberwindbar scheinen.
Doch am Motivation Monday wird vieles möglich. Hier werden Geschichten geteilt: Yan Min U, die von einem Moment zum anderen durch eine Landmine blind geworden ist, erzählt, dass sie trotz ihrer Seheinschränkung ihren Traum verfolgt, einmal Lehrerin zu werden. Es ist ein Tag, an dem Wünsche ausgesprochen werden dürfen – und an dem Zuversicht wächst.
Direktor U Tin Moe ist selbst blind. Er kennt aus eigener Erfahrung die Schwierigkeiten, mit denen blinde Menschen in Myanmar täglich konfrontiert sind. Für ihn ist es ein Herzensanliegen, den Kindern Mut zu machen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen.
Auch wenn die meisten Schülerinnen und Schüler von Bawa Thit die Erfahrung machen, dass die Hindernisse in ihrem Land unendlich groß sind und andere sie übersehen – an diesem Motivation Monday ist alles anders: Sie spüren: Ich bin nicht allein. Ihre Stimmen und Träume werden am Motivation Monday gehört. Hier entsteht Hoffnung – und ein Gefühl von Zugehörigkeit trotz aller Hindernisse.
Motivation Monday ist damit mehr als ein Wochenbeginn. Er ist der erste Schritt in Richtung eines selbstbestimmten Lebens für diese Kinder – und ein sichtbares Zeichen, dass Inklusion und Teilhabe möglich sind.