Unsere Geschichte ist eng mit dem Ziel verbunden, blinden Kindern und Jugendlichen in den armen Regionen Südostasiens eine Schulbildung zu ermöglichen. Louise Cooper und Martha Postler, die beiden Impulsgeberinnen in der Anfangszeit der HBM, sahen einen klaren Zusammenhang zwischen der Ausgrenzung und Benachteiligung behinderter Kinder und ihrer Bildung. Vor diesem Hintergrund wurde 1897 die erste Blindenschule in Hongkong gegründet.
Blinden und sehbehinderten Kindern in Südostasien eine Schulbildung zu ermöglichen, ist auch heute noch der entscheidende Faktor, um den Kreislauf von Armut und Benachteiligung zu durchbrechen. In vielen Ländern dieser Region haben sehbehinderte Kinder aufgrund schwieriger Lebensbedingungen und unzureichender Unterstützungssysteme oft keinen Zugang zu angemessener Bildung.
Bedeutung von Blindenschulen
Spezialisierte Blindenschulen spielen in Südostasien eine zentrale Rolle, um diesen Kindern eine qualitativ hochwertige Bildung zu ermöglichen, die sie in Regelschulen oft nicht erhalten:
- Sie bieten ein Lernumfeld, das auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Schüler zugeschnitten ist.
- Die Kinder lernen lebenswichtige Fähigkeiten wie die Brailleschrift und die Orientierung im Alltag.
- Speziell ausgebildete Lehrkräfte können individuell auf die Schülerinnen und Schüler eingehen.
So lernen die Schülerinnen und Schüler in der Blindenschule YAPENTRA von der Einschulung an die Brailleschrift mit sogenannten Braille-Tafeln, haben Zugang zu Kinderbüchern in Brailleschrift und lernen in den höheren Klassen den Umgang mit dem Computer, um so auf den Besuch einer inklusiven Schule vorbereitet zu sein.
Von der HBM unterstützte Blindenschulen
Die HBM arbeitet mit 6 Blindenschulen in 4 Ländern zusammen:
- YAPENTRA Blindenschule, Medan, Indonesien
- YPAB Blindenschule in Surabaya, Indonesien
- Ausbildungszentrum Oni Pedistra, Insel Nias, Indonesien
- Ausbildungszentrum Bawa Thit, Myanmar
- DSB Blindenschule, Davao, Philippinen
- Blindenschule Ebenezer, Hongkong
Inklusion
Alle von der HBM unterstützten Schulen fördern die Inklusion. Wie diese umgesetzt wird und welchen Beitrag die Blindenschulen dabei leisten, lesen Sie hier.
Diana findet ihren Weg – selbstbestimmt mit Blindenschrift

Diana lernt mit der Blindenschrift-Schablone
Wenn Diana auf ihrer Blindenschrifttafel schreibt, spürt man sofort ihre Konzentration und Freude. Im schnellen Tempo setzt sie Punkt für Punkt auf das Papier. Wer ihr dabei zuschaut, ist beeindruckt von der Leichtigkeit, mit der sie schreibt und liest.
Früh durfte Diana an der Blindenschule YAPENTRA das Lesen und Schreiben in Blindenschrift entdecken. Dieser Zugang bedeutete für sie weit mehr als nur ein Schulfach: Diana liest heute eigenständig Bücher aus der Schulbibliothek, notiert sich wichtige Gedanken für ihren Alltag und genießt gemeinsam mit Freundinnen Spiele wie Uno – natürlich mit Blindenschriftmarkierungen.
Die Blindenschrift hat Diana eine neue Welt eröffnet. Sie gibt ihr die Freiheit, unabhängig zu lernen und neue Dinge zu entdecken. Auch das Bedienen von Handy und Computer ist für sie selbstverständlich geworden. Das alles hat sie durch die Brailleschrift Schritt für Schritt erreicht.
Bald steht für Diana der Schulabschluss bevor. Ihr Ziel: ein Studium oder eine Ausbildung, bei der sie ihre Fähigkeiten einbringen kann. Dabei bleibt die Blindenschrift ihr Schlüssel zu eigenständigem Lernen.
6 Punkte, die die Welt verändern
Die Brailleschrift ist ein tastbares Schriftsystem aus sechs Punkten und eröffnet blinden sowie sehbehinderten Menschen den Zugang zur Welt des Lesens und Schreibens. Sie wurde 1825 von Louis Braille entwickelt. Buchstaben, Zahlen und Zeichen werden durch unterschiedliche Anordnungen dieser Punkte dargestellt und mit den Fingerspitzen ertastet.
Jede Braille-Zelle besteht aus zwei Spalten mit je drei Punkten. Durch verschiedene Kombinationen dieser Zellen entstehen alle Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen.
Blinde Kinder und Jugendliche erlernen diese Schrift meist auf einer Blindenschrifttafel, indem sie mit einem Griffel die Punkte ins Papier drücken. Mithilfe moderner Technik, wie einer Braillezeile am Computer, können sie zudem digitale Texte lesen und schreiben.